Living History / museales Reenactment

Beim Living History geht es um eine möglichst authentische Darstellung historischer Lebenswelten. Entwickelt wurde es in den USA der 30er-Jahre aus der museumspädagogischen Praxis. Mittlerweile wird Living History und (museales) Reenactment schon für viele Epochen angeboten.

 

Aufgrund der schlechten Fundlage, der fehlenden Primärliteratur (also Quellenwerke zeitgenössischer Schriftgelehrter) und anderen Tatsachen, die teils in unserer modernen Gesellschaft begründet sind, ist eine wirklichkeitsgetreue Rekonstruktion dieser Epoche jedoch leider nicht wirklich möglich. Nur um ein Beispiel genannt zu haben, können wir heute zwar für die Bekleidung korrekt gewebte Stoffe verwenden... aber die "Lieferanten" des originalen Rohstoffes gibt es in ihrer damaligen Form nicht mehr. Und wird es wohl auch nie mehr geben. Das mag jetzt pedantisch klingen, wäre aber eine essentielle Voraussetzung, um die Geschichte tatsächlich lebendig werden zu lassen. Und schliesslich: Die DarstellerInnen sind und bleiben  Menschen unseres Jahrhunderts – seien sie im realen Leben Sachbearbeiter, Unternehmer und Lehrer oder gar Archäologen, Historiker und Linguisten. Dementsprechend müssten wir für unser Tun vielleicht eher von "historischen Interpretationen" sprechen. Mit diesem Begriff kann aber noch kaum jemand etwas anfangen...


Ungeachtet dessen überprüfen und hinterfragen ernsthafte Geschichte-DarstellerInnen stets ihre Ausrüstung, Kleidung und auch ihr Programm und versuchen mit ihren zur Verfügung stehenden Mitteln so authentisch wie möglich zu arbeiten – vielfach sogar im Dialog mit den sich anbietenden wissenschaftlichen Stellen. Und mag es für das zentraleuropäische Frühmittelalter auch nur recht wenige hochwertige Gruppen für die Darstellung germanischer Stämme des Frühmittelalters geben: Mit den richtig guten unter ihnen... arbeite ich zusammen.

Aktuelle "historische Interpretationen"

Ein eher vermögendes Alamannen-Familienoberhaupt im Zeitfenster 580 - 610 n. Chr. im Siedlungsgebiet des heutigen Vorarlberg...

Martin Stock (stehend im Vordergrund mit Becher)

... oder ein gegen die Römer kampferprobter Sueben-Krieger in den ersten Jahrzehnten nach Christi-Geburt.

 

Noch immer als Novum und bis heute einzigartig gelten meine experimentellen, künstlerischen Darstellungen germanischer Ritus-Handlungen – mit Hilfe mühevoller Rekonstruktionsversuche "proto-germanischer" Sprache.


Das Foto entstand  anlässlich der Veranstaltung "2000 Jahre Varusschlacht", 2009 im Museum und Park Kalkriese in Deutschland. Damals haben über 450 DarstellerInnen die Schlacht zwischen Germanen und Römer so getreu wie möglich nachgestellt (museales Reenactment).

2015 – Ausstellung "Römer, Alamannen, Christen" (vorarlbergmuseum) – Workshops für Schulklassen

2009 – Aufführung eines "Bündnis-Ritus" (Jubiläumsfest "2000 Jahre Varusschlacht" im "Museum und Park Kalkriese")

2008 – Uraufführung eines "Bündnis-Ritus" in Hechingen-Stein (Villa Rustica)

2007 – Erste Rohfassungen experimenteller Ritus-Interpretationen

2004 – Musical "Alamanni - ein Nornenspiel"

2003 – Aufbau einer Krieger-Darstellung (Living History / historische Interpretation)

2001 – Schwert-Schaukämpfer (Spatha und Rundschild – Histotainment)